Home » Excel in der Produktentwicklung: Warum das Tabellen-Modell die R&D Excellence blockiert » Agilität oder Stillstand: Was die Lebensmittelindustrie vom Hype um die Dubai-Schokolade lernen muss
Haben Sie das Zeitfenster genutzt? Als der Hype um die Dubai-Schokolade den europäischen Markt erreichte, trennte sich in der Süßwarenindustrie die Spreu vom Weizen. Während einige agile Hersteller innerhalb weniger Wochen mit passenden Konzepten im Verkaufsregal standen, diskutierten andere noch über Rohstoff-Spezifikationen und Rezeptur-Varianten in isolierten Tabellen.
Auf dem diesjährigen Eisforum machte Prof. Dr. Christian Klein, Gründer von UMYNO, in seinem Vortrag deutlich: Dieser sogenannte „Slow Mover Effekt“ ist kein Zufall. Er ist das Ergebnis eines strukturellen Defizits in der Forschung und Entwicklung.
Trends in der Lebensmittelindustrie folgen heute einer extrem steilen Kurve. Marktanalysen zeigen, dass das kritische Zeitfenster für die Markteroberung oft nur drei Monate beträgt. Wer in dieser Phase nicht liefert, überlässt das Feld kampflos den agilen Wettbewerbern.
Doch warum ist die F&E oft das Schlusslicht in puncto Geschwindigkeit? Eine aktuelle Bitkom-Studie offenbart eine drastische technologische Schieflage in den Unternehmen:
Die F&E droht damit zum technologischen Schlusslicht der industriellen Wertschöpfung zu werden.
Das Problem in den Laboren ist selten ein Mangel an kreativen Ideen. Es ist die Fehlallokation von Expertenkapazitäten. In einer herkömmlichen R&D-Umgebung verbringen hochqualifizierte Lebensmitteltechnologen bis zu zwei Stunden pro Tag mit rein administrativen Tätigkeiten.
Daraus resultiert das folgenschwere 90/10-Paradoxon:
Wir beschäftigen die klügsten Köpfe der Branche, um Daten in Tabellen zu verwalten, statt Produkte zu erfinden, die den Markt von morgen dominieren könnten.
Ein zentraler Satz aus der Keynote von Christian Klein hallt besonders nach:
„Excel is not a database for AI.“
In vielen Laboren ist Excel nach wie vor das Allzweckwerkzeug für Rezepturberechnungen, Nutri-Score-Optimierungen und Clean-Label-Strategien. Doch Tabellenkalkulationen verstehen keine multidimensionalen Abhängigkeiten. Wenn Sie einen einzigen Rohstoff ändern, beeinflusst das gleichzeitig die Kosten, die Sensorik, die Deklaration und die rechtliche Compliance.
Wer diese Interdependenzen manuell in isolierten Datensilos prüft, stößt bei der heutigen Datenflut an menschliche Grenzen. Eine KI kann hier als digitaler Assistent unterstützen, damit F&E-Teams wieder schneller agieren können.
Eine künstliche Intelligenz kann jedoch erst dann effektiv unterstützen, wenn die datentechnische Infrastruktur stimmt.
Die Transformation der F&E-Infrastruktur ist kein „Alles-oder-nichts“-Szenario, sondern ein strategischer, stufenweiser Aufstieg:
Automatisierung von Routineaufgaben, Dokumentenablage und standardisierten Nährwertberechnungen. |
Prädiktive (vorhersagende) Systeme, die als kreativer Sparringspartner dienen und datenbasierte Rezepturvorschläge auf Basis aktueller Markttrends generieren, um die Produktentwicklung zu inspirieren. |
Vollintegrierte Systeme, die als digitales Rückgrat die gesamte Wertschöpfungskette von der Idee bis zur Skalierung nahtlos vernetzen, damit Teams Projekte mit beispielloser Effizienz auf den Markt bringen können. |
Die Komplexität moderner Produktentwicklungen – sei es durch die physikalischen Herausforderungen der Eis-Herstellung oder den regulatorischen Druck durch Nutri-Score-Optimierungen – lässt sich rein manuell kaum noch fehlerfrei bewältigen. Durch die Automatisierung dieser Routineaufgaben schaffen wir den nötigen Freiraum für die eigentliche Innovationsarbeit unserer Experten.
Gepaart mit rasanten Trend-Zyklen wie bei der Dubai-Schokolade wird die Professionalisierung der F&E-Infrastruktur zum wichtigsten strategischen Hebel.
Es ist Zeit, die F&E vom blinden Fleck der Digitalisierung zum strategischen Kraftzentrum Ihres Unternehmens zu machen.
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